In einer Fassung für 2 Sänger, 3 Tänzerinnen und Klavier zu vier
Händen (2003)
Musikalische Leitung: Christoph Posselt
Inszenierung: Susanne Knapp
Ausstattung: Julia Kurzweg
Wenn du liebst
rechne damit, dass es
weh tut wie Liebe.
Wolf Wondratschek
Die Inszenierung
Dualsysteme sind das Spannungsfeld des Weltgeschehens, der
Menschheit. Ohne Polarität ist die Welt und unser Denken nicht
vorstellbar. Das Eine existiert nicht ohne das Andere. Das »Gute« wird
uns nur bewusst durch die Existenz des »Bösen« und umgekehrt. Das polare
Prinzip ist ein Grundprinzip der Welt.
Erkenntnis setzt Spaltung des
»Ureinen« voraus.
Im Spannungsfeld unserer Protagonisten spiegelt sich das ganze
Weltprinzip: wie sich das Eine spalten muss, um sich zu erkennen, wie
die Pole sich abstoßen, und wie sie sich in ihrer Polung eine Spannung
erschaffen, die die notwendige Energie erzeugt, den Erkenntnisprozess
zu leben.
Blaubart und Judith verkörpern diesen Prozess.
Im Anderen sehen sie ihre Wünsche erfüllt. Im gemeinsamen Sein versuchen
sie die Trennung der eigenen Einheit aufzuheben. Das ewige Streben des
Getrennten, wieder Eins zu sein.
Wo ein Wunsch ist, ist die Angst, dass dieser Wunsch unerfüllt bleibt.
Dieser Angst folgt eine Haltung. Eine Haltung, die nach Bestätigung der
Angst sucht.
Diese Haltung verhindert ihnen das Wahrnehmen der Möglichkeiten, die die
Liebe birgt: Annäherung, Geben und den Raum, das Getrennte als
Weltgesetz zu akzeptieren. Diese Trennung aufheben zu wollen muss
scheitern. Die Aufhebung der Polarität ist und wäre göttlich.
»7 Kammern« - die Rauminstallation
Die Installation ist mehr als eine Aus Stellung. Sie umfasst sechs
unabhängig voneinander realisierte Raumbilder unterschiedlicher
Künstler. Der Zuschauer auf dem Weg zur Vorstellung »eignet« diese
Theater-Welt sich »an«, wie ein Kind sich den Raum erschließt: er bewegt
sich, fühlend und experimentierend, hindurch: (s)einer Geschichte
entgegen. Der Zugang zur 7. Kammer (der Oper selbst!) erfolgt nur auf
diesem Wege - Gibt es eine achte?
Der Betrachter ist immer Teil des Kunstwerks. - Der Zuschauer hat hier
keine andere Wahl, als den Dialog mit jener Welt zu suchen, die er, im
Gegensatz zur Welt der Alltagserfahrung, in jedem Moment als
»bedeutungsvoll« erlebt: Versucht sie, von ihm Besitz zu ergreifen? Er
will sich behaupten, muss auf »Zeichen« und »Omen« achten: die geheime
Absicht durchschauen, eigene Bedeutung hineinlegen. Ein Spiel.
Am Ende des Wegs steht das Erleben der Oper. Darin findet eine
Verschiebung des Machtgefälles zwischen den Protagonisten statt.
Ähnliches wird dem Zuschauer zuvor erfahrbar werden, wenn er sich,
Kammern erforschend, in der Rolle Judiths wiederfindet.
Ausstellende Künstler:
Michael Otto, Ralf Kittmann, Fränk Heller, Markus Quetsch, Jakob Knapp,
Anna Friederike Potengowski, Ansgar Frerich, Benjamin Krieg, Josephin
Müller