Zur Inzenierung: Warteschleifen I und II

 

Ordnung im Chaos - schwierig aber ausdrucksstark

Moderner Tanz: Die Vereinigung junger Künstler Berlin forderte viel vom Publikum

Neue Westfälische, 5.April 2004

Paderborn (rgk). Waren es die Stimmen krankhaft Liebender? Der Göttersuchenden? Oder der einsamen, in ihre eigene Wirklichkeit eingehüllten Menschen, die auf die Zuschauer niederfielen? Und die Bewegungen: Starr, verkrampft und dann wieder gelöst, wild und schwerelos - Befreiungsversuche eines rastlosen, unruhigen Geistes?
Fragen über Fragen, die bei der Tanz-Performance „Warteschleifen" der Vereinigung junger Künstler Berlin in der Kulturwerkstatt an das Publikum herangetragen wurden. Eine schwierige, abstrakte Darstellung von drei Tänzerinnen und vier Sprechern, ausdrucksstark und grotesk.
Mit Wörtern und Satzfetzen aus Zitaten von Max Frisch, Friedrich Nietzsche, Novalis oder Charles Baudelaire errichteten die Sprecher zunächst ein verbales Chaos, das von den Tänzerinnen mit ekstatischen Bewegungen kommentiert wurde. Keine Frage: Die Auftaktveranstaltung des „Forum Moderner Tanz", zu dem am Wochenende die Städtische Musikschule mehrere Künstlergruppen eingeladen hatte, war provokant und exzentrisch.
Und dennoch schien sich das Chaos nach und nach zu lichten.
Die ewiggleichen Satze, in unterschiedlicher Reihenfolge, zum Teil parallel gesprochen, dazu mal dumpfe, mal schrille Musik ermöglichten eine Ordnung im Chaos. Wiederholung strukturiert, und so konnte der Zuschauer nach einiger Zeit Geschichten im Wirrwar der Worte ausmachen, Geschichten, zu denen die Darsteller allerdings nur Denkanstöße gaben, die sich eigenständig im Kopf des Zuschauers entwickelten.
Und die Bilanz? Sind wir alle Tänzer, die gegen ihr inneres Chaos kämpfen? Haben wir alle Bilder und Begegnungen in uns, die immer wieder in unser Bewusstsein drängen, das Chaos lichten? In derartig abstrakten Inszenierungen wie der „Warteschleifen" gelingt eine Verbindung zum Zuschauer nur mühsam.
Letztendlich wird jeder Einzelne auf sich selbst zurückgeworfen, wenn es darum geht, einen Sinn hinter den Worten, der Musik und den Bewegungen zu finden. „Wir sind die Verfasser der Anderen, der Andere ist unser Erzeugnis, unser Opfer", beschwor am Ende einer der Sprecher das Publikum. Wie sehr der Andere, der Zuschauer, von der Vereinigung junger Künstler Berlin wirklich beeinflusst wurde, mag jeder für sich selbst entscheiden.

 

 

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