Paderborn (rgk). Waren es die Stimmen krankhaft Liebender? Der
Göttersuchenden? Oder der einsamen, in ihre eigene Wirklichkeit
eingehüllten Menschen, die auf die Zuschauer niederfielen? Und die
Bewegungen: Starr, verkrampft und dann wieder gelöst, wild und
schwerelos - Befreiungsversuche eines rastlosen, unruhigen Geistes?
Fragen über Fragen, die bei der Tanz-Performance „Warteschleifen" der
Vereinigung junger Künstler Berlin in der Kulturwerkstatt an das
Publikum herangetragen wurden. Eine schwierige, abstrakte Darstellung
von drei Tänzerinnen und vier Sprechern, ausdrucksstark und grotesk.
Mit Wörtern und Satzfetzen aus Zitaten von Max Frisch, Friedrich
Nietzsche, Novalis oder Charles Baudelaire errichteten die Sprecher
zunächst ein verbales Chaos, das von den Tänzerinnen mit ekstatischen
Bewegungen kommentiert wurde. Keine Frage: Die Auftaktveranstaltung des
„Forum Moderner Tanz", zu dem am Wochenende die Städtische Musikschule
mehrere Künstlergruppen eingeladen hatte, war provokant und exzentrisch.
Und dennoch schien sich das Chaos nach und nach zu lichten.
Die ewiggleichen Satze, in unterschiedlicher Reihenfolge, zum Teil
parallel gesprochen, dazu mal dumpfe, mal schrille Musik ermöglichten
eine Ordnung im Chaos. Wiederholung strukturiert, und so konnte der
Zuschauer nach einiger Zeit Geschichten im Wirrwar der Worte ausmachen,
Geschichten, zu denen die Darsteller allerdings nur Denkanstöße gaben,
die sich eigenständig im Kopf des Zuschauers entwickelten.
Und die Bilanz? Sind wir alle Tänzer, die gegen ihr inneres Chaos
kämpfen? Haben wir alle Bilder und Begegnungen in uns, die immer wieder
in unser Bewusstsein drängen, das Chaos lichten? In derartig abstrakten
Inszenierungen wie der „Warteschleifen" gelingt eine Verbindung zum
Zuschauer nur mühsam.
Letztendlich wird jeder Einzelne auf sich selbst zurückgeworfen, wenn es
darum geht, einen Sinn hinter den Worten, der Musik und den Bewegungen
zu finden. „Wir sind die Verfasser der Anderen, der Andere ist unser
Erzeugnis, unser Opfer", beschwor am Ende einer der Sprecher das
Publikum. Wie sehr der Andere, der Zuschauer, von der Vereinigung junger
Künstler Berlin wirklich beeinflusst wurde, mag jeder für sich selbst
entscheiden.